Onkologie - spezialisierte Tumortherapie

Peritonealkarzinose - Bauchfellkarzinose - Bauchfellkrebs
chirurgische Onkologie - regionale Chemotherapie - Peritonektomie

Was ist ein Karzinom bei unbekanntem Primärtumor?

( Tumor mit unbekanntem Primärtumor, Krebs unbekannter Ursache, CUP )

Beim "carcinoma of unknown primary (CUP / Karzinom bei unbekanntem Primärtumor)" handelt es sich um eine Erkrankung, bei der (bösartige) Krebszellen irgendwo im Körper gefunden werden, ohne daß festgestellt werden kann, von welcher Stelle (von welchem Organ) dieser Krebs ausgeht (d.h. der Primärtumor ist unbekannt). Dieses trifft bei etwa 2 bis 4 Prozent aller Krebspatienten zu.

Tatsächlich ist der Begriff "CUP" ein Oberbegriff für viele verschiedene Krebsarten, denen gemeinsam ist, daß man sie (erst) in dem Organ oder Gewebe gefunden hat, in das sie sich von ihrem Ursprung an einer anderen Stelle des Körpers aus ausgebreitet haben. Diese Karzinome sind also Metastasen (Tochtergeschwulste) eines unentdeckten und aktuell nicht auffindbaren Primärtumors (Ursprungstumors). Da es somit viele unterschiedliche Krebsarten sein können, die lediglich unter dem Oberbegriff "CUP" zusammengefaßt werden, sind Heilungschancen (Prognose) und Behandlungsart für jeden Patienten anders, je nachdem welche Krebsart bei ihm tatsächlich vorliegt.

Wenn ein Verdacht auf CUP besteht, wird der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen, darunter vielleicht auch eine Biopsie. Das bedeutet, daß ein kleines Gewebestück aus dem Tumor entnommen und unter dem Mikroskop untersucht wird. Der Arzt wird vielleicht auch eine eingehende Vorgeschichte des Patienten (Anamnese) erheben, körperliche Untersuchungen durchführen, sowie Röntgenuntersuchungen des Brustraums, Blut-, Urin- und Stuhluntersuchungen anordnen. Krebs kann "CUP" genannt werden, wenn der Arzt aus den Untersuchungsergebnissen nicht erkennen kann, an welcher Stelle im Körper der Krebs begonnen hat.

Manchmal kann das für einige Krebsformen typische Ausbreitungsmuster (Metastasierungsmuster) einen Anhalt für die Ursprungsstelle geben. So sind z.B. Lungenmetastasen häufiger, wenn der Krebs oberhalb des Zwerchfells begonnen hat (das Zwerchfell ist der dünne Muskel unter der Lunge, der für den Atemvorgang wichtig ist). In den meisten großen Studien konnte gezeigt werden, daß letztlich ein "CUP" häufig von der Lunge oder Bauchspeicheldrüse ausgegangen war. Weniger häufig waren Dickdarm, Enddarm (Rektum), Brust oder Prostata (Vorsteherdrüse) Ursprungsorte für ein "CUP".

 

Ein wichtiger Teil der Suche nach dem Ursprungsort des Krebs ist die Untersuchung der Krebszellen unter dem Mikroskop (sog. Histologie). Um den Ursprungsort herauszufinden und um die beste Behandlungsform auswählen zu können, werden möglicherweise eine ganze Reihe von Spezialuntersuchungen durchgeführt.

 

ERKLÄRUNG DER STADIEN

Stadien eines Karzinom bei unbekanntem Primärtumor
Wenn die Diagnose Krebs gestellt wurde, werden gewöhnlich weitere Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden, ob sich die Krebszellen in andere Körperteile ausgedehnt haben. Dies nennt man Stadieneinteilung. Die Zahl und Art der Untersuchungen kann jedoch bei jedem Patienten mit einem "CUP" anders sein. Die Behandlungsmöglichkeiten, die hier vorgestellt werden, sind unterteilt in solche bei gerade neu entdecktem Krebs (neu diagnostiziert) oder solche bei Krebs, der nach einer Behandlung wiederaufgetreten ist (rezidivierendes CUP).
Die Art der Behandlung hängt auch davon ab, wo der Krebs gefunden wurde oder wie er unter dem Mikroskop aussieht. Es kann sein, daß der Krebs in eine der folgenden Gruppen paßt:

  • Krebs in den Halslymphknoten: Krebs in den kleinen, bohnenförmigen Organen der Hals- und Nackenregion, welche infektionsbekämpfende Zellen produzieren und speichern.
  • Wenig differenzierte Karzinome: die Krebszellen unterscheiden sich deutlich von den normalen Zellen.
  • In eine einzige Lymphknotenregion metastasiertes Melanom: Ein Hautkrebs, der von den Zellen ausgeht, die die Hautfarbe produzieren (Melanozyten), hat sich in Lymphknoten in nur einer Körperregion ausgebreitet.
  • Isolierte axilläre Lymphknotenmetastase: ein Krebs, der sich nur in Lymphknoten der Achselhöhle ausgebreitet hat.
  • Inguinale Lymphknotenmetastase: ein Krebs, der sich in Lymphknoten der Leistengegend ausgebreitet hat.
  • Multiple Beteiligung: ein Krebs, der sich in verschiedene unterschiedliche Körperregionen ausgebreitet hat.

ÜBERBLICK ÜBER DIE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Wie ein "Karzimom bei unbekanntem Primärtumor" behandelt wird Es werden viele verschiedene Behandlungsformen, entweder alleine oder in Kombination, benutzt, um ein "CUP" zu behandeln. Einige der gebräuchlichen Behandlungsformen sind:

  • Operation (der Tumor wird operativ entfernt)
  • Strahlentherapie (Anwendung hoher Dosen von Röntgenstrahlen zum Abtöten der Krebszellen)
  • Chemotherapie (Medikamente werden zur Abtötung der Krebszellen eingesetzt)
  • Hormontherapie (Hormone werden benutzt, um das Wachstum der Krebszellen zu stoppen.)

Die Operation ist eine verbreitete Behandlungsform für ein "CUP". Ein Chirurg kann den Krebs zusammen mit umgebendem gesunden Gewebe entfernen. Verschiedene Operationen werden benutzt, abhängig davon, wo der Krebs gefunden wurde. Wenn der Krebs sich in Lymphknoten ausgebreitet hat, können diese entfernt werden (Lymphknotendissektion). Wenn die beteiligten Lymphknoten sich in der Leiste befinden, wird diese Operation oberflächliche Leistendissektion genannt. Wenn der Krebs sich in Lymphknoten ausgebreitet hat und auch in das umgebende Gewebe hineinwächst, muß der Chirurg vielleicht einen größeren Teil des umliegenden Gewebes entfernen. Wenn Muskeln, Nerven und andere Gewebe des Halses und Nackens entfernt werden, wird dies radikale neck dissection ("Halsausräumung") genannt.
Die Strahlentherapie setzt hochenergetische Röntgenstrahlen zum Abtöten von Krebszellen und zur Tumorverkleinerung ein. Die Bestrahlung kann allein oder vor oder nach einer Operation durchgeführt werden.
Bei der Chemotherapie werden zur Abtötung der Krebszellen Medikamente eingesetzt. Die Medikamente für die Chemotherapie können geschluckt werden, oder über eine Nadel in eine Vene oder einen Muskel gespritzt werden. Chemotherapie wird auch "Systemische Therapie" genannt, da sich die Medikamente über die Blutbahnen im ganzen Körpers verteilen und so den Krebs an jeder Stelle des Körpers bekämpfen können. Die Chemotherapie kann alleine oder nach einer Operation eingesetzt werden. Eine Therapie, die nach einer Operation verabreicht wird, bei der keine Krebszellen sichtbar zurückgelassen wurden, nennt man "adjuvante" (unterstützende) Therapie.
Die Hormontherapie wird benutzt, um die Hormone im Körper, die den Krebszellen beim Wachsen helfen, zu "entschärfen". Dies kann erreicht werden, indem Medikamente benutzt werden, die die Wirkungsweise der Hormone verändern, oder indem in einer Operation die hormonproduzierenden Organe, wie z.B. die Hoden (Orchiektomie), entfernt werden.

Behandlung je nach Stadium

Die Behandlung eines "CUP" hängt von dem vermuteten Ursprungsort des Tumors, dem Aussehen der Krebszellen unter dem Mikroskop und anderen Faktoren ab. Eine Operation und weitere Untersuchungen können durchgeführt werden, um herauszufinden, wo der Krebs begonnen hat.
Eine Standardtherapie mag in Betracht gezogen werden aufgrund ihrer erwiesenen Wirkung in früheren Studien mit Patienten, oder es wird die Teilnahme an einer klinischen Studie erwogen. Nicht alle Patienten werden mit der Standardtherapie geheilt, und einige Standardbehandlungen haben auch mehr Nebenwirkungen als erwünscht. Um bessere Behandlungsmethoden für Krebspatienten herauszufinden, gibt es klinische Studien, die auf den neuesten Erkenntnissen basieren. In den meisten Teilen des Landes laufen klinische Studien zu "CUP". Wenn Sie mehr über klinische Studien erfahren wollen, fragen Sie bitte Ihren Arzt.

 

NEU DIAGNOSTIZIERTES KARZINOM BEI UNBEKANNTEM PRIMÄRTUMOR

Wenn Krebs in der Hals-/Nackenregion (zervikale Lymphknoten) gefunden wurde, kann eines der folgenden Behandlungsverfahren eingesetzt werden:

  1. eine Operation, in der die Mandeln (Tonsillen) entfernt werden (Tonsillektomie).
  2. Strahlentherapie.
  3. Bestrahlung gefolgt von einer Operation.
  4. Operation im Hals-/Nackenbereich (radikale neck dissection).
  5. Operation im Hals-/Nackenbereich, gefolgt von einer Bestrahlung.

Wenn der Krebs ein wenig differenziertes Karzinom ist (d.h. die Krebszellen unterscheiden sich deutlich von normalen Zellen), wird die Behandlung wahrscheinlich eine Chemotherapie sein. Bei Patienten mit neuroendokrinen Krebserkrankungen (Krebs des Nerven- und Hormonsystems) sind ebenfalls Operation und Bestrahlung durchgeführt worden.

Wenn es sich um eine Peritonealkarzinose handelt (der Krebs wächst auf der Innenschicht des Bauchfells), wird die Behandlung wahrscheinlich eine Chemotherapie sein.

Wenn eine isolierte axilläre Lymphknotenmetastase als einzelner Krebsherd gefunden wurde, ist es wahrscheinlich, daß der Krebs in der Lunge oder Brust seinen Ursprung hat. Bei einer Frau wird eine Mammographie (eine Röntgenaufnahme der Brust) zur Untersuchung auf Brustkrebs durchgeführt. Nach den Untersuchungen auf Lungen- und Brustkrebs kann die Behandlung eine der folgenden sein:

  1. Eine Operation, in der die Lymphknoten entfernt werden, mit oder ohne Entfernung der Brust (Mastektomie) oder Bestrahlung der Brust.
  2. Behandlung wie oben beschrieben mit zusätzlicher Chemotherapie wie bei Brustkrebs.

Wenn Krebs in den Leistenlymphknoten gefunden wurde, kann die Behandlung eine der folgenden sein:

  1. Operation, um den Tumor zu entfernen.
  2. Leistenoperation (oberflächliche inguinale Lymphknotendissektion)
  3. Eine Operation in der etwas Tumorgewebe entfernt wird (Biopsie) mit oder ohne Bestrahlung, eine Operation in der Lymphknoten entfernt werden oder Chemotherapie.

Wenn der Krebs ein Melanom (schwarzer Hautkrebs) ist, das sich in eine einzige Lymphknotenregion ausgebreitet hat, wird die Behandlung wahrscheinlich eine operative Entfernung der Lymphknoten sein.
Wenn Krebs in verschiedenen Regionen des Körpers vorliegt und der Arzt annimmt, daß es für den ursprünglichen Krebs eine Standardtherapie gibt, dann sollte diese Therapie durchgeführt werden. Hierfür einige Beispiele:

  1. Hormontherapie bei Prostatakarzinom.
  2. Chemotherapie oder Hormontherapie bei Brustkrebs.
  3. Chemotherapie bei Karzinom des Ovars (Eierstocks).

Wenn der Ursprung des Krebs nicht gefunden werden kann, kann man nicht wissen, welche Behandlung die beste ist. Die Patienten könnten die Teilnahme an einer klinischen Studie in Erwägung ziehen.

REZIDIVIERENDES KARZINOM BEI UNBEKANNTEM PRIMÄRTUMOR

Die Therapie des rezidivierenden CUP hängt ab vom Typ des Krebs, von der zuvor verabreichten Therapie, vom Körperteil, in dem der Krebs wiederaufgetreten ist, und von anderen Faktoren. Der Patient könnte die Teilnahme an einer klinischen Studie in Erwägung ziehen.

Hinweis
Die vorliegenden Angaben beruhen auf Dokumenten des National Cancer Institute der USA. Für die Richtigkeit der in dieser deutschsprachigen Version gemachten Angaben können wir keine Garantie übernehmen. Fragen Sie daher in jedem Fall ihren Arzt!


Literatur:
Übersetzung PDQ-Patienteninformation
Dr. Gustav Quade, Uni Bonn

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